„Tut mir leid, ich kann nicht kommen“: Verabreden schwer gemacht

Ich habe es getan: mich verabredet. Nicht spontan. Sondern so richtig geplant mit einer Woche Vorlaufzeit. Und ich freu mich drauf! Ein Risiko.

EDS gleicht einer Wundertüte. Gehe ich abends schlafen, weiß ich nie: Wird mich morgen ein guter oder ein schlechter Tag empfangen? Werden die Schmerzen stärker als jedes Medikament sein? Wird die Erschöpfung mich mit ihren fiebrig-bleiernen Krallen packen und den ganzen Tag aufs Bett drücken? Wird die Luftnot mir den Brustkorb mit ihrem eisernen Band enger und enger schnüren? Kurz: Wird der nächste Tag verlorene Lebenszeit sein und jeden noch so kleinen Plan über den Haufen werfen? Oder wird er okay sein, so dass ich leben und Kraft tanken kann?

Seit Monaten spüre ich es: Viele Freunde ziehen sich zurück (nicht alle natürlich, die treuen Seelen sind an meiner Seite). Einladungen werden weniger. Anrufe seltener. Ab und zu noch ein Pflicht-Hallo per WhatsApp. Das war’s. Ich verstehe das auch. Bin ich doch nicht mehr die, die ich war. Die kreative Powerfrau und Tierretterin, die, die nonstop für andere da war, immer zugehört, geholfen, gegeben hat. Die man Tag und Nacht um Hilfe bitten konnte. Und die immer dabei war: Nächte durchquatschen, Konzerte besuchen, Open-Air-Kino, hinterher noch beim Wein sitzen und Sterne gucken, am Wochenende eine Schwarzwald-Wanderung und am Abend in den Baggersee springen, danach am Ufer Gemüse grillen, lachen … Das war toll. Und ist jetzt passé.

Spontan, ja, da könnte ich noch dazukommen – an Tagen, an denen es mir gut geht. Aber wer schließt sich schon gern einer Unternehmung an, wenn er nicht dazu eingeladen ist? Weil man ja eh nie kann. Immer absagt. Immer zu viele Schmerzen hat. Zu müde ist …

Es ist schwer, mit einer chronischen Erkrankung Pläne zu machen.
Es ist schwer, einen geregelten Alltag zu gestalten.
Und es ist schwer, Verabredungen absagen zu müssen.

Aber wenn ich das tue, dann hat das nichts mit meinen Freunden zu tun. Oder damit, das ich keine Lust hätte (im Gegenteil!), unzuverlässig wäre oder zu faul. „Tut mir leid, ich kann nicht kommen“ bedeutet: Ich bin krank. Nehmt es also nicht persönlich, wenn ich statt mit Euch zum Weinfest mit meinem Zebra zur private Saftparty gehe.

Manchmal aber geht’s dann doch: Pläne umsetzen. Und ich hoffe und wünsche mir, dass das nächste Wochenende so ein „Manchmal“ wird. Und ich es dann erfolgreich getan habe: mich verabredet.

 

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