Der summende Satan: Tage aus der Hölle

Wenn es ein Fegefeuer gibt, dann sitze ich gerade mittendrin. Schmerzen und Entzündungen, Brain Fog, und wieder dieses nagend-summende Geräusch in den Knochen, das immer einen Schritt tiefer in die dunkelste Schmerzhölle führt.

Bild/Copyright: Petra Busch

Der Satan hat sich seit Monaten fest eingenistet. War er 17 Jahre nur sporadisch zu Besuch, so nimmt er mir nun täglich mehr.

Beide Knie sind kaputt. Die Schultern entzündet. Fast ständig blockieren Brustwirbel, sodass das Atmen zur Qual wird. Stehe ich auf, so knickt erst einmal die linke Hüfte weg, während der rechte Fuß sich anfühlt, als tanze ein Pferdehuf auf ihm. Die Beinmuskeln krampfen; der Kiefer springt raus und rein; Ohr- und Nasenknorpel knirschen und schmerzen so sehr, dass ich nur noch auf Nackenhörnchen schlafen und die Brille nur noch sporadisch tragen kann. Auch die Haut platzt auf, wo die Reiterchen sitzen. Ohne Brille leben, das kommt bei mir einem Maulwurfdasein gleich. Aber was soll’s. Ich sehe auch mit Brille nur noch verschwommen. Weil mir nonstop Wasser aus den Augen läuft und dank Schwankschwindel und Brain Fog die Welt wie in schmelzendes Zellophan gehüllt scheint.

Auch spielen die Nerven verrückt. Polyneuropathien in den Füßen. Kälte, Kribbeln. Dasselbe in den Armen. Die Finger eiskalt. Und ständig meine ich, leichter Strom fließe durch meine Hände und Füße.

Im linken Unterbauch und im Zwerchfell wühlt der Teufel mit dem Dreizack. Und als sadistisches Glanzstück nagt und summt er seit zehn Tagen wieder. Dieses Mal ist es das Inferno im Kopf.

Böse Mittelohrentzündung, dachte ich. Ist es aber nicht laut HNO-Ärztin. Die tippt auf den Trigenimusnerv. Oder eine Kieferentzündung. Oder irgendetwas, das von der Halswirbelsäule ausstrahlt. Letzteres würde auch zu den ständig einschlafenden, eiskalten Armen passen. Was immer es ist: Es breitet sich aus. Wo der Gehörgang beginnt, gibt es Geräusche. Als säße ein kleiner Dämon im Knochen und nage sich summend durch meine Substanz. Um die Ohren herum und hinter den Ohren knabbert es am Schädel, frisst sich den Nacken hinab, beißt sich durch die Wangenknochen bis zu den Nasenknorpeln. Ja, es ist die Hölle.

Das Nagen des Dämons kenne ich von andern Stellen meines Körpers. Das Geräusch war tagelang im rechten Knie, bevor die Patella ihr reguläres Bett verlassen hat, um von dort herauszuspringen. Es folgte das linke Knie. Es erklang in beiden Schultern, jeweils bevor dort die Sehnen und Schleimbeutel sich entzündeten. Es war außen am Ohr – als Vorbote des sich auflösenden Knorpels. Jetzt sitzt es also tiefer im Kopf um den Gehörgang herum. Ich möchte nicht weiterdenken an diese Stelle.

Und dann diese bleierne Erschöpfung. Durch jeden Tag muss ich mich quälen. Versuche, nicht im Sitzen einzuschlafen, ein Telefonat ohne umzukippen durchzuhalten. Nur schlafen ist gut. Einfach liegen. Die Augen zumachen. Die Angst ausblenden, die immer heißer um mich züngelt. Die glühenden Schmerzen betäuben. Nichts denken und das Fegefeuer samt summendem Satan mit Schlaf auslöschen.

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